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Maginot Linie nach dem Waffenstillstand bis heute | Frankreich Bunker

Teil vier, Maginot Linie nach dem Waffenstillstand bis heute, der Reihe Das Ouvrage du Michelsberg.

Nach einem kampfreichen Tag in der Maginot Linie, an dem es auf deutscher Seite schmerzliche Verluste zu beklagen gab, auf französischer Seite einige Verletzte und zu dem, die Kampfblöcke 2 und 3 des Michelsberg erheblich beschädigt wurden, kam es am Abend des 22. Juni zu einem außerordenlichen Ereignis.

Kurz zur Erinnerung:
Am 5. Juni 1940 begann die “Schlacht um Frankreich” die auch als “Fall Rot” bezeichnetet wurde. Am 14. Juni war die Wehrmacht bereits in Paris einmarschiert. Weite Teile im Süd- Osten Frankreichs bis zur Schweizer Grenze waren von der deutschen Armee eingenommen. Die Lage wurde stündlich schlechter für die Franzosen. Ganz Ost Frankreich war besetzt. Ganz Ost Frankreich? – Nein – ein kleines Gebiet zwischen dem Hackenberg bei Veckring und dem Michelsberg bei Dalstein blieb dem einfallenden Heer aus Deutschland standhaft.

Ein bemerkenswertes Ereignis

General Sixt von Arnim, Kommandant der 95. Infantriedivision, schickte eine kleine Delegation zur Werksgruppe Michelsberg. Gegen 17:30 Uhr meldeten die französischen Beobachter eine weiße Flagge und drei Deutsche. Werkskommandat Pelletier und ein paar Offiziere empfingen die Parlamentäre abseits der Ouvrage.

Sie überbrachten ihm das Angebot von Genaral von Arnim, sich zu Ergeben und das Blutvergießen zu beenden, da die Lage für die Besatzung des Bunkers ohnehin aussichtslos geworden sei.

Pelletier lehnte es jedoch ab zu kapitulieren, solche Vorgänge könne er nur auf Befehl eines Ranghöheren ausführen. Als die deutschen Offiziere auf die starke Beschädigung an den Kampfblöcken 2 und 3 zu sprechen kamen, spielte sich folgende Szene ab.

Maginot Linie Kampfturm
Kampfturm in der Maginot Linie

Die zwei Offiziere der drei Abgesandten wurden mit verbundenen Augen durch den Eingang des Artilleriewerks in den Block 2 geführt. Dort angekommen konnten sie mit eigenen Augen feststellen, dass der Stahlbeton außen zwar stark zerstört war, die Funktion des Blocks mit all seiner Schlagkraft jedoch in keinster Weise davon berührt war. Die Delegation verließ die Anlage über den Block 2 zurück hinter die deutschen Linien.

Noch am selben Abend feuerte die Festungsgruppe Mont des Welches zusammen mit dem Fort Michelsberg aus ihren Türmen gegen die 95. Infantriedivision. Diese machte sich kurz darauf “unsichtbar”.

Die Maginot Linie nach dem Waffenstillstand

Am 4. Juli 1940, also erst 9 Tage nach Waffenstillstand ergab sich die Besatzung des Michelsberg und ging für etwa fünf Jahre in deutsche Gefangenschaft.

Nach dem Blitzkrieg war Frankreich nun geteilt. Der Norden und Westen sowie Paris unterstand einem deutschen Besatzungsregime. In den Westalpen gab es eine italienische Zone, die Benito Mussolini in den letzten Kriegstagen erobern ließ.

Eine neue französiche Regierung für den unbesetzten Süden wurde im Kurort Vichy, Department Allier in der Auvergne, eingerichtet. Das sog. Vichy Regime regierte mit Staatschef Philippe Pétain von Juli 1940 bis August 1944.

maginot linie karte
Auszug aus einer alten Karte der Maginot Linie

Die Bunkeranlage selbst, die kaum Schaden genommen hatte, war für die deutschen Eroberer sehr interessant. Durch den ebenerdigen Eingang, der den einfachen Zugang ins Werk ermöglicht, die geschützte Lage und durch zahlreiche weitere Vorteile einer unterirdischen Tunnel Anlage, bot sich der Michelsberg der deutschen Kriegsindustrie gerade zu an.

Im Verlauf des Jahres 1940 – 41 wurden die leichten Innenwände der unterirdischen Kaserne entfernt und zur Fabrikanlage für mechanische Teile umgewandelt. Heute sind noch die Spuren dieser Trennwände am Boden der einstigen Kaserne zu erkennen.

1944 mußten sich die Deutschen wieder aus der Anlage zurück ziehen. Bevor sie das Werk verließen, sabotierten sie die elektrischen und mechanischen Einrichtungen. Motoren, Aufzüge, Schalttafeln, die Belüftung und auch die Kampftürme entkamen nicht der Zerstörung. Die Spuren des Versuchs in der Hauptgalerie den Zugang zum Kasernenbereich zu sprengen sind heute noch gut sichtbar.

Der Bunker nach dem Krieg

Ab 1947 bemühte sich die französische Armee die Bunkeranlage wieder in ihren Originalzustand zu setzen. Die Restaurierungsarbeiten fanden bis in die frühen 1970er Jahre statt.

Als die Werke der Maginot Linie immer mehr an Bedeutung verloren, was hauptsächlich auf der veralteten Waffentechnik und Strategie begründet lag, wurden die Arbeiten gänzlich eingestellt.

Bis 1978 wurde das Gros Ouvrage du Michelsberg nur noch sporadisch überwacht. Bis es für etwa zehn Jahre eine Champignon Zucht beherbergte. Zwischen 1988 und 1993 kümmerte sich weder Staat noch Privat Leute um das, was einst Teil des Stolzes der Grand Nation war.

 

On ne passé pas

On ne passé pas – das Motto der Maginot Linie damals, frei übersetzt „Kein Durchkommen“ wich einem Schweigen, einem Vergessen, einem Ungeschehen machen wollen…

Durch die ausbleibende Instandhaltung verfielen die Tunnel, Gänge und Räume. Auch das Fehlen der Lüftung begünstigte die Ausbreitung von Feuchtigkeit, die dem Mauerwerk zusetzt. Das Ouvrage Michelsberg wurde damals auch immer wieder das Ziel von Souvenir Jägern, die auf der Suche nach Original Teilen der Maginot Linie waren.

1993 nahm sich ein Verein der Anlage an, um die bis dahin erhalten gebliebenen Teile zu wahren.

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Tunnel im Artilleriewerk Michelsberg

Heute ist die Anlage öffentlich zugänglich. Die Öffnungszeiten für eine Besichtigung des Magiont Bunkers sind der Webseite des Vereins zu entnehmen.

Eine Mischung aus Museum und Original Schauplatz des 2. Weltkrieges macht einen Besuch des Bunkers der Maginot Linie zu einer authentischen, eindrucksvollen Reise in unsere Geschichte.

Alle Artikel über die Festungsgruppe Michelsberg und Bilder aus den Bunkern der Maginot Linie heute.

Quellen: Unterlagen des französischen Vereins AOM 22. Juni 1940 sowie Abschriften des Kriegstagebuchs des Festungssektors Boulay und die Webseite Maginot Line at War.

 

Joe

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