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Gros Ouvrage Kobenbusch

Werke der Maginot Linie | 2. Weltkrieg | Geschichte | Frankreich | Foto

Werke der Maginot Linie

Die Werke der Maginot Linie bilden die größte und schlagkräftigste bauliche Einheit im französischen Verteidigungswall. Man spricht von Petit Ouvrage und Gros Ouvrage. Der Begriff Ouvrage steht für Werk. Unterschieden wird in gros und petit – groß und klein, Artillerie- und Infantriewerk.

Generell wird der Begriff Ouvrage in Verbindung mit Befestigungsanlagen verwendet, die ähnlich wie in der Maginot Linie, vollständig unabhängige Festungen in einem System von Schutzanlagen sind.

Es gibt Regelbau, ähnlich wie man ihn aus dem Westwall kennt. Doch sind die Werke der Maginot Linie größer und anders strukturiert. Es wurde nach den Plänen gebaut, aber fanden, landschaftlich bedingt, Veränderungen statt. Die Werke wurden der Umgebung entsprechenden angepasst.

So entstanden aus den einzelnen “Regelbaumodulen” ganz verschiedene Anlagen. Dennoch ist der Aufbau eines Werkes im Grunde immer gleich. Wie bei den Abri Caverne gibt es die gesicherten Eingangsblocks mit Scharten und Diamantgräben.Werke der Maginot Linie

Die Küche, der Maschinenraum, die Kaserne sind ebenfalls vorhanden, jedoch in größerer Ausführung. Filter- und Tankräume, Vorratsspeicher, Kampfräume, Tunnel und Treppen. Doch gibt es einige Besonderheiten gerade bei den Gros Ouvrages auf die ich weiter unten noch eingehen werde.

Abgesehen vom enormen Größenunterschied hat es ein Hauptmerkmal, welches eine Ouvrage von den Kasernenbunkern deutlich unterscheidet – die Bewaffnung.

Die Bewaffnung der Anlagen stellt ein eigenes Thema dar, dass in einem anderen Artikel behandelt werden soll. Jetzt kurz noch ein paar Merkmale der Gros und Petit Ouvrages.

 

Die Enge, das Kalte und Feuchte und das ständige Dröhnen der Maschinen war für die Soldaten Alltag im Infantrieblock.

Petit Ouvrage

Das Infanteriewerk, Petit Ouvrage, verfügt über nur einen Eingang und häufig über einen Notausgang. Im Eingangsbereich gelangte man über Treppen, die schachtartig nach unten führen zu den Kasernen. Einen Aufzug gab es auch, der jedoch nicht für die einfachen Soldaten zur Verfügung stand. Von den unterirdischen Kasernen gehen Gänge ab, die wieder zu Treppen führen über die man zu den eigentlichen Kampfräumen gelangt.

Gros Ouvrage

Im Gros Ouvrage, dem Artilleriewerk, baute man zwei getrennte Eingänge. Eine große Eingangschleuse für die Anlieferung des Materials und der Munition, deshalb auch Entrée des Munitions genannt. Für die Besatzung gab es einen eigenen Eingangsblock, den Entrée des l´Hommes.

In der gesamten Maginot Linie gibt es drei unterschiedliche Bautypen für die Eingänge, die je nach Gelände entsprechend gebaut wurden.

Entrance of the Ouvrage
Entrance of the Ouvrage

Man unterscheidet zwischen einem ebenerdig ins Werk führenden, einem, der wie bei einer Rampe nach unten ins Werk läuft und einem senkrecht abfallenden Schacht, der mit Aufzügen und Treppen versehen war.

Das Werk Michelsberg mit der Werksnummer A22 hat als Besonderheit für Gros Ouvrages einen kombinierten Eingang für Munition und Mannschaft.

Auf solche baulichen Sparmassnahmen stößt man immer wieder, wenn man sich die Werke der Maginot Linie mit ihrer Architektur und Planung genauer ansieht.

Zu erwähnen sei hier noch kurz die Schmalspurbahn, auch als “Metro” bezeichnet. Sie wurde in allen Gros Ouvrages für den Transport der schweren Lasten von Munition und Material im Werksinneren gebaut. Betrieben wurde die Metro mit einer Überspannleitung.

Es finden sich auch Gleise in manchen Petit Ouvrages, doch wurden dort die Waggons per Hand bewegt. Übrigens wieder ein Indiz für eine Sparmaßnahme, erst als Gros Ouvrage geplant – mit Gleisen und vielen Kampfblöcken, tatsächlich  während des Baus zum Petit Ouvrage geändert. Beispiel: Petit Ouvrage Bovenberg, eines der größten Infantriewerke.

small bunker of the maginot line
Eines der Werke der Maginot Linie

Observatoire

Beobachtungsbunker, die Observatoire, gab es sowohl in den Werken, wenn es baulich möglich und sinnvoll war (Weitsicht), sowie auch als eigenständige Bunker. Sie hatten die Aufgabe das Gebiet, soweit es die Sicht erlaubt, zu überwachen. Diese kleinen Anlagen standen mit den angrenzenden Werken in Verbindung . Die Observatoire waren im Grunde die Augen der Werke.

Auf ihre Beobachtungen und Zielkoordinaten hin wurde von der Ouvrage aus gefeuert. Der Beobachtungsbunker war baulich gut gepanzert, also mit viel Beton nach oben, hatte keine Küche und bot nur für wenige Soldaten Platz, d.h. für etwa 12 bis 18 Personen. Eine Usine für die Stromversorgung und Luftfilter waren natürlich vorhanden. Ebenso wie Scharten und GFM Glocke für die Selbstverteidigung.

Von den externen Beobachtungsbunkern gab es in der Magiont Linie insgesamt 17 Anlagen, wobei allein 11 Beobachter in der Region Metz errichtet wurden.

Chambre de Decontamination

Die Luftfilter versorgten das Infantriewerk und auch das Artilleriewerk mit Frischluft, um im Falle eines Gasangriffs die Soldaten schützen zu können. Möglich wurde diese Filterung durch einen künstlich geschaffenen Überdruck im Werk, so dass nur über die dafür vorgesehenen Luftschächte Luft in die Anlage gelangen konnte.

Werke der Maginot Linie Airfilter in a battle block werke der maginot linie Filter Gros Ouvrage

Die Filter im Eingangsbereich des Werkes lieferten die Frischluft für den gesamten Kasernenbereich. Um in den Kampfblöcken ebenfalls Frischluft gewährleisten zu können, waren diese ebenfalls mit Filtern ausgestattet. In den Ouvrages sind Filterräume mit bis zu 30 großen Filtertonnen verbaut, dazu kommen die Filter in den Kampfblöcken.

Der Artikel hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Er soll einen kleinen Einblick und Überblick in das Thema Werke der Maginot Linie geben. Die Angaben sind teilweise aus den unten genannten Büchern entnommen, teilweise aus eigener Beobachtung und der Recherche vor Ort.

Wichtig bei alldem ist, dass wir die Geschichte nicht vergessen.

Bücher zu Werke der Maginot Linie:

  • The Maginot Line 1928- 45 im Osprey Publishing, ISBN 1 84176 646 1
  • Hommes Et Ouvrages de la Ligne Maginot, Jean-Yves Mary
  • Die Maginotlinie, Damals und Heute von WAHL, J.-B., Verlag: Mittler & Sohn (2000) ISBN-10: 3813206858, ISBN-13: 978-3813206852

Die Werke der Maginot Linie in Bildern gibt es in der Galerie. Zum Thema Waffen gibt es Informationen auf darkplaces.org and a good article in english on desertwar.net

Wall Paintings in a fortification

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Joe

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